Anfänge

Schwimmendes Bootshaus samt Festsaal

Elf Herren gründeten 1882 den Bonner Ruderverein:  Kommerzienrat Louis Wessels, Besitzer einer Porzellanwarenfabrik, Kommerzienrat Victor Wendelstadt, der Besitzer der Redoute in Bad Godesberg und seine drei Söhne sowie weitere Doktoren, Professoren, Studenten. Man legte Wert auf die gesellschaftliche Stellung der Mitglieder. Es konnte nicht jedermann einfach Mitglied werden. Bedingung für die Aufnahme war, dass man bei einer sogenannten Ballotage, einem Abstimmungsprozess unter den Mitgliedern, mindestens zwei Drittel der Stimmen bekam.
Ein schlichtes schwimmendes Bootshaus, das in der Nähe der ersten Fährgasse festgemacht war, bildete die erste schwankende Bleibe des Vereins. Die Mitgliedschaft wuchs rasch auf 141 Mitglieder im Jahr 1897 ─ darunter zahlreiche Honoratioren, zum Beispiel der Landrat Dr. Max van Sandt und der Oberbürgermeister Wilhelm Spiritus. 1881 konnte ein neues schwimmendes Bootshaus angeschafft werde, das nun sogar einem Achter Platz bot. Größer und stattlicher als die Bootshalle war der Festsaal, in dem das gesellschaftliche Leben des Vereins stattfinden konnte.

Zweites Bootshaus ba Süd klein

Training ─ oder kein Training?

1884 bestand der Bootspark aus zwei Rennvierern, drei Übungsvierern, einem Vergnügungszweier und zwei Skiffs. Im Sommer wurde ein englischer Trainer angestellt ─ das Rudern kam schließlich als Trendsportart der Oberschicht aus England. Ruderer des BRV beteiligten sich erfolgreich an Ruderregatten ─ bis hin nach Amsterdam, aber auch an der traditionsreichen Kaiserregatta in Bad Ems.
Es gab um 1900 aber auch Berichte, dass dem Training allenfalls eingeschränkte Begeisterung entgegengebracht wurde und manche Mitglieder eher „im Skiff ihr eigener Herr sein wollten, als daß sie sich nothwendigen Disziplin und körperlichen Anstrengungen im Vierer unterworfen hätten“. Immerhin scheint damals der Rhein für die schmalen Rennboote und Skiffs noch ein angenehmes Ruderrevier gewesen zu sein.

Zweites Bootshaus Nord ba

Wiederauferstehung

Im Ersten Weltkrieg wurden die Ruderer Soldaten. Viele kehrten von der Front nicht zurück. An einen Ruderbetrieb war nicht zu denken. Das schwimmende Bootshaus litt in dieser Zeit schwer. 1919 wurde es von den englischen Besatzern requiriert. Nach der Rückgabe von den Engländern sollte das Bootshaus nach Mondorf zur Reparatur geschleppt werden ─ und sank dabei.
1921 stand der Verein kurz vor der Auflösung. Vereinzelte Spendenaktionen zum Neubau eines Bootshauses scheiterten in den Wirren der Inflation. Im Sommer 1924 begann immerhin wieder ein sporadischer Ruderbetrieb. 1928 konnten sechs neue Boote beschafft werden ─ und man war stolz auf eine Leistung von 13.800 Kilometer im Jahr, was ungefähr ein Zehntel unserer aktuellen Jahresbilanz darstellt.

Damen als Gäste

1928 begann etwas, das in der Rückschau wie ein Vorgriff auf die Zukunft wirkt. Bislang war das Rudern ein Privileg der Männer. In den 1920er Jahren, in denen die Frauen manche Männerdomäne eroberten, begannen im BRV auch die Frauen zu rudern ─ allerdings noch brav unter sich. Ein Riemenvierer wurde eigens aufs Skulls umgerüstet und „Juffer“ getauft. In der Folgezeit entwickelte sich ein reger, eigenständiger Damen-Ruderbetrieb.
Die reguläre Mitgliedschaft blieb den Frauen allerdings verwehrt. 1932 war in der Festschrift aus männlicher Feder zu lesen: „Sie sollen bei uns gern gesehene Gäste sein, aber wir wollen die ‚Herren im Haus‘ bleiben.“ Rudernde Damen wurden gebeten, ein männliches Familienmitglied zum Eintritt zu bewegen.

Bootshalle, Brauseräume und Kamin

1930, mitten in der Weltwirtschaftskrise, gelang dann der Bau eines schlichten Bootshauses im Stil der neuen Sachlichkeit. Architekt und Spiritus Rector war der zweite Vorsitzende und Universitätsbaumeister Bernhard Gelderbloom, genannt Baas. Bis heute gibt es die Tradition im Verein, dass ein Boot nach diesem verdienten Mitglied „Baas“ genannt wird. In der Zeit der Arbeitslosigkeit machten die Baufirmen gute Preise und es gelang, das erste Bootshaus für nur 30.000 Reichsmark zu realisieren. Es bot Platz für eine Bootshalle, eine Werkstatt, Umkleide- und Brauseräume für Herren und Damen und im Obergeschoss ein Clubraum mit Kamin, eine winzige Küche und eine kleine Hausmeisterwohnung, die von der Familie Stoll bezogen wurde.
Vater Stoll war Bootswart und Bootsreparateur, Mutter Stoll bewirtete die Mitglieder mit einfachen Gerichteten. Sohn Robert Stoll wuchs dort auf, lernte und lehrte im Verein der 30er und 50er Jahre das Rudern und blieb uns von den frühen 1950er Jahren bis 2013 als Bootsmeister eng verbunden.

Da ist der Wurm drin!

1934 schloss sich der traditionsreiche Schülerruderverein des Beethoven-Gymnasiums, der Gymnasial-Ruder-Verein (GRV), dem BRV an, um sich dem Einfluss der Hitlerjugend zu entziehen. Mit dem Vermögen des GRV wurde das Bootshaus um eine schmale Bootshalle, einen Aufenthalts- und Umkleideraum im Obergeschoss für die Jugendlichen erweitert. Das offenbar wenig politisch beeinflusste Training im BRV galt als HJ-Dienst – und bot auf diese Art und Weise etlichen Jugendlichen eine kleine Ausflucht. Es soll sogar vorgekommen sein, dass der übliche Regatta-Preis, ein Führer-Bildnis, mit dem geflügelten Spruch des Bootswarts „Da ist der Wurm drin!“ aus dem Fenster geworfen wurde. Den Jugendlichen gelang es durch rabiate Aufnahmerituale besonders regimetreue Kandidaten vom Eintritt abzuschrecken.

… Fortsetzung folgt!